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Incident Management

Definition

Incident Management ist der Prozess im IT-Service-Management, mit dem eine Organisation Störungen ihrer IT-Dienste erfasst, priorisiert und behebt, bis der vereinbarte Service wieder läuft. Für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen verlangt § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 BSIG die Bewältigung von Sicherheitsvorfällen, Art. 17 DORA von Finanzunternehmen einen Behandlungsprozess.

ISMS
Von Muhammad Haseeb, Co-Founder & CTOFachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO
Zuletzt geprüft:

Was ist Incident Management?

Incident Management nimmt Störungen von IT-Diensten an, bewertet sie und behebt sie, bis der Dienst wieder so läuft wie vereinbart. Ein Incident ist jede ungeplante Unterbrechung oder spürbare Qualitätsminderung eines Dienstes: der ausgefallene Mailserver ebenso wie eine Anwendung, die seit dem Morgen deutlich langsamer antwortet. Was als normaler Betrieb gilt, legt das Service Level Agreement (SLA) fest, sofern eines vereinbart ist.

Im IT-Service-Management beschreibt das Rahmenwerk ITIL die Disziplin; ITIL 4 führt Incident Management als eine seiner Management Practices. Im Deutschen heißt die Disziplin auch Störungsmanagement oder Vorfallmanagement.

Incident, Problem, Service Request und Sicherheitsvorfall

Die Abgrenzung entscheidet, wer zuständig ist und ob eine gesetzliche Frist läuft.

BegriffWas es istZielBeispiel
Incidentungeplante Unterbrechung oder Qualitätsminderung eines DienstesDienst schnell wiederherstellenVPN-Gateway nicht erreichbar
ProblemUrsache eines oder mehrerer IncidentsUrsache finden und beseitigenfehlerhaftes Firmware-Update am Gateway
Service Requestgeplante Anfrage ohne StörungLeistung im vereinbarten Rahmen erbringenneuer VPN-Zugang für eine Mitarbeiterin
SicherheitsvorfallBeeinträchtigung von Vertraulichkeit, Integrität oder Verfügbarkeit von InformationenSchaden begrenzen, Beweise sichern, Meldepflichten prüfenAnmeldung mit gestohlenen Zugangsdaten am Gateway

Ein Sicherheitsvorfall, der einen Dienst beeinträchtigt, ist zugleich ein Incident. Umgekehrt gilt das nicht: Ob der Ausfall einer defekten Festplatte auch als Sicherheitsvorfall zählt, hängt von Ihrer festgelegten Einstufung ab. Die sicherheitsspezifische Behandlung beschreibt der Eintrag Incident Response.

Der Prozess in acht Schritten

  1. Erkennen und melden: Nutzer, Service Desk oder Monitoring melden die Störung.
  2. Erfassen: Ein Ticket hält Zeitpunkt, betroffenen Dienst, Symptome und meldende Person fest.
  3. Kategorisieren: Dienst, Komponente und Art der Störung zuordnen und den Sicherheitsbezug prüfen.
  4. Priorisieren: Die Priorität ergibt sich aus Auswirkung (wie viele Nutzer, welcher Geschäftsprozess) und Dringlichkeit (wie schnell der Schaden wächst).
  5. Diagnostizieren: Der 1st Level analysiert und gleicht mit bekannten Fehlern und Workarounds ab.
  6. Eskalieren: funktional an den 2nd oder 3rd Level, hierarchisch an Incident Manager oder Leitung, wenn Frist oder Auswirkung es verlangen.
  7. Lösen und wiederherstellen: Der Dienst läuft wieder, notfalls per Workaround, und die meldende Person bestätigt es.
  8. Abschließen und auswerten: Lösung dokumentieren und bei wiederkehrenden oder schweren Störungen ein Problem anlegen.

Für Störungen, die das Standardverfahren übersteigen, legen Sie vorab ein Verfahren für Major Incidents fest, mit eigener Leitung und verpflichtender Nachbetrachtung.

Die Sicherheitsprüfung in Schritt 3

Gesetzliche Meldefristen laufen ab Kenntnis des Vorfalls, nicht ab dem Schließen des Tickets. Schritt 3 braucht deshalb feste Prüffragen. Ist eine erfüllt, läuft neben dem Ticket eine eigene Bewertung mit eigener Uhr.

Prüffrage bei der KategorisierungWenn jaFrist
Sind Vertraulichkeit, Integrität oder Verfügbarkeit von Informationen beeinträchtigt, etwa durch fremde Anmeldung, Schadsoftware oder Datenabfluss?Sicherheitsvorfall: Incident Response starten, Informationssicherheitsbeauftragten einbeziehennach eigener Vorgabe
Sind personenbezogene Daten betroffen?Prüfung als Datenpanne nach Art. 33 DSGVOunverzüglich und möglichst binnen 72 Stunden nach Bekanntwerden
Ist die Organisation eine besonders wichtige oder wichtige Einrichtung, und kann der Vorfall erheblich sein?Prüfung nach § 32 BSIGfrühe Erstmeldung unverzüglich, spätestens 24 Stunden nach Kenntniserlangung; Meldung unverzüglich, spätestens nach 72 Stunden
Ist die Organisation ein Finanzunternehmen nach DORA?Klassifizierung nach Art. 18 DORA statt § 32 BSIG (§ 28 Abs. 6 Nr. 1 BSIG)bei Einstufung als schwerwiegend: Erstmeldung binnen 4 Stunden danach, spätestens 24 Stunden nach Kenntnis

Die DORA-Fristen stehen in Art. 5 der Delegierten Verordnung (EU) 2025/301. Wird ein Vorfall erst nach 24 Stunden als schwerwiegend eingestuft, gilt die Vier-Stunden-Frist ab der Einstufung (Art. 5 Abs. 2). Auch für Betreiber öffentlicher Telekommunikationsnetze, Anbieter öffentlich zugänglicher Telekommunikationsdienste und Energieunternehmen, die den §§ 5c bis 5e EnWG unterliegen, gilt § 32 BSIG nach § 28 Abs. 5 BSIG grundsätzlich nicht.

Beispiel (fiktiv): Das VPN-Gateway fällt um 8:10 Uhr aus. Nach einem Neustart läuft es wieder, und das Ticket wird um 9:30 Uhr geschlossen. Bei der Auswertung am nächsten Tag zeigt das Anmeldeprotokoll eine Anmeldung mit gestohlenen Zugangsdaten kurz vor dem Ausfall. Hätte Schritt 3 das Protokoll geprüft, wäre die Bewertung als Sicherheitsvorfall noch am Morgen angelaufen.

Halten Sie im Ticket fest, wer die Prüffragen wann beantwortet hat.

Rollen: Service Desk, Support-Level, Incident Manager

RolleAufgabe
Service Desk (1st Level)nimmt Meldungen an, erfasst, kategorisiert, löst Standardfälle
2nd Level SupportFachteams für Netzwerk, Anwendungen oder Arbeitsplatz; tiefere Diagnose
3rd Level SupportEntwicklung, Hersteller, externe Dienstleister
Incident Managerverantwortet Prozess, Priorisierung, Eskalation und Kennzahlen
Major-Incident-Teamleitet schwere Störungen und koordiniert Technik, Kommunikation und Geschäftsleitung
Informationssicherheitsbeauftragterbewertet bei Sicherheitsbezug, ob ein Sicherheitsvorfall vorliegt

Welche Kennzahlen gibt es?

KennzahlWas sie misst
MTTA (Mean Time to Acknowledge)Zeit von der Meldung bis zur Annahme durch eine zuständige Person
MTTD (Mean Time to Detect)Zeit vom Eintritt einer Störung bis zu ihrer Erkennung
MTTR (Mean Time to Resolve oder Restore)Zeit bis zur Wiederherstellung; die Abkürzung wird unterschiedlich aufgelöst, nennen Sie die Definition im Bericht
ErstlösungsquoteAnteil der Incidents, die der 1st Level ohne Weitergabe löst
SLA-ErfüllungAnteil der Incidents innerhalb der vereinbarten Reaktions- und Lösungszeiten
WiedereröffnungsquoteAnteil geschlossener Tickets, die erneut geöffnet werden

Zielwerte leiten Sie aus SLAs und der Kritikalität des Dienstes ab. Wie Kennzahlen für die Geschäftsleitung aufbereitet werden, beschreibt der Eintrag Sicherheitskennzahlen (KPI).

Was ISO 27001, BSIG und DORA verlangen

Keines dieser Regelwerke schreibt einen ITIL-Prozess vor. Sie verlangen einen geregelten Umgang mit Sicherheitsvorfällen, der auf dem bestehenden Incident-Prozess aufsetzen kann.

RegelwerkFundstelleKern der Anforderung
ISO/IEC 27001:2022Anhang A 5.24 bis 5.28 und 6.8Vorfallbehandlung planen, Ereignisse bewerten, reagieren, aus Vorfällen lernen, Beweise sichern; Beschäftigte melden Ereignisse über festgelegte Wege
BSIG§ 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 BSIGBewältigung von Sicherheitsvorfällen als Risikomanagementmaßnahme
DORAArt. 17 der Verordnung (EU) 2022/2554Prozess, um IKT-bezogene Vorfälle zu erkennen, zu behandeln und zu melden; alle Vorfälle erfassen; Ursachen ermitteln, dokumentieren und angehen
BSI IT-GrundschutzBaustein DER.2.1 „Behandlung von Sicherheitsvorfällen“ im IT-Grundschutz-Kompendium (Edition 2023)Behandlung von Sicherheitsvorfällen

Wie Vorfallbehandlung, Meldewege und Nachbetrachtung in ein ISMS eingebettet werden, beschreibt der Ratgeber ISMS einführen.

Incident-Management in Rizzqo

Ist ein System von einem Vorfall betroffen, etwa ein VPN-Gateway, zeigt Rizzqo, welche Prozesse davon abhängen, ob es personenbezogene Daten enthält und wer dafür verantwortlich ist. Die Maßnahmen aus der Nachbereitung erfassen Sie als Aufgaben, die sich in beide Richtungen mit Jira synchronisieren, und sehen, wie stark jede das Risiko senkt.

Häufige Fragen

Was ist ein Major Incident?

Ein Major Incident ist eine Störung, deren Auswirkung auf Geschäftsprozesse das Standardverfahren übersteigt, etwa der Ausfall eines geschäftskritischen Dienstes. Für ihn gelten eine eigene Leitung, kürzere Kommunikationsintervalle, die frühe Einbindung der Geschäftsleitung und eine verpflichtende Nachbetrachtung. Legen Sie die Kriterien, ab wann eine Störung als Major Incident gilt, vorab schriftlich fest, zum Beispiel über die höchste Stufe der Prioritätsmatrix.

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Muhammad Haseeb

Über den Autor

Muhammad Haseeb

Co-Founder & CTO

15 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Softwaresystemen, verantwortlich für alle technischen Aspekte von Rizzqo.

LinkedIn

Fachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO. 15 Jahre Erfahrung in Compliance, verantwortlich für Governance, Risk und Compliance (GRC) bei Rizzqo.