Zum Inhalt springen

ISO/SAE 21434 (ISO 21434)

Definition

ISO/SAE 21434 ist die internationale Norm, die Engineering-Anforderungen an das Cybersecurity-Risikomanagement von Straßenfahrzeugen stellt, über den gesamten Lebenszyklus ihrer elektrischen und elektronischen Systeme. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht; Fahrzeughersteller brauchen für die EU-Typgenehmigung eine CSMS-Konformitätsbescheinigung nach UN R155.

ISMS
Von Muhammad Haseeb, Co-Founder & CTOFachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO
Zuletzt geprüft:

Was regelt ISO/SAE 21434?

ISO/SAE 21434 legt fest, wie Fahrzeughersteller und Zulieferer Cybersecurity-Risiken elektrischer und elektronischer Fahrzeugsysteme beherrschen, vom Konzept über Entwicklung, Produktion, Betrieb und Wartung bis zur Außerbetriebnahme. Anzuwenden ist die Ausgabe ISO/SAE 21434:2021.

Die Risikobewertung der Norm heißt TARA (Threat Analysis and Risk Assessment). Wie sie abläuft und warum sie bei Änderungen am Fahrzeug veraltet, beschreibt der Beitrag TARA-Methode nach ISO/SAE 21434. Die Norm ergänzt ISO 26262 zur funktionalen Sicherheit; den Unterschied zeigt der Vergleich Safety vs. Security.

Freiwillige Norm, verbindliche Regelung: ISO/SAE 21434 und UN R155

Gesetzlich verpflichtend ist nicht die Norm, sondern UN R155. Der Fahrzeughersteller braucht danach eine gültige Konformitätsbescheinigung für sein Cybersicherheitsmanagementsystem (CSMS) (Ziffer 7.3.1), die höchstens drei Jahre gilt (Ziffer 6.7). Für jeden Fahrzeugtyp führt er eine erschöpfende Risikobewertung durch, die auch Wechselwirkungen mit externen Systemen berücksichtigt (Ziffer 7.3.3), und er ermittelt und bewältigt die lieferantenbezogenen Risiken (Ziffer 7.3.2).

Eine Methode schreibt R155 nicht vor. ISO/SAE 21434 wird in einer Fußnote zu Ziffer 5.3.1 als eine Quelle für Fachkenntnisse zu Risikobewertungen genannt. Was das CSMS umfasst, erklärt der Eintrag UN R155; Software-Updates regelt die Schwesterregelung UN R156 mit dem Software-Update-Managementsystem (SUMS).

In der EU verweist Anhang II Zeile D4 der Verordnung (EU) 2019/2144 in der Fassung der Delegierten Verordnung (EU) 2022/1398 auf UN R155. Neuen Fahrzeugtypen ohne Schutz gegen Cyberangriffe wird die Typgenehmigung seit dem 6. Juli 2022 verweigert, und seit dem 7. Juli 2024 dürfen solche Neufahrzeuge nicht mehr zugelassen werden. In Deutschland stellt das Kraftfahrt-Bundesamt die CSMS-Bescheinigung auf Grundlage der Auditberichte des Technischen Dienstes aus und erteilt die Typgenehmigung.

Wer muss was nachweisen?

Ob Sie ISO/SAE 21434 anwenden müssen, hängt von Ihrer Rolle in der Lieferkette ab.

Ihre RolleGrundlage der PflichtWas Sie vorlegen
Fahrzeughersteller mit EU-TypgenehmigungUN R155 über Verordnung (EU) 2019/2144CSMS-Bescheinigung, Risikobewertung je Fahrzeugtyp, Umgang mit Lieferantenrisiken
Zulieferer von Steuergeräten oder Software für typgenehmigte FahrzeugeVertrag mit dem Hersteller, der seine Lieferantenrisiken nach Ziffer 7.3.2 bewältigen mussdie vertraglich vereinbarten Nachweise; ISO/SAE 21434 gilt, wenn der Vertrag auf sie verweist
Hersteller eines Produkts mit digitalen Elementen außerhalb der Typgenehmigung, etwa eines DiagnosewerkzeugsCyber Resilience Act, sofern keine Ausnahme greiftdie Nachweise nach CRA
Betreiber eines Backends für Fahrzeugdienste im Auftrag des HerstellersVertrag; der Hersteller berücksichtigt Back-End-Server nach Anhang 5 Teil C von R155die vertraglich vereinbarten Maßnahmen gegen die dort genannten Bedrohungen

Prüfen Sie als Zulieferer zuerst den Vertrag: Er legt fest, welche Arbeitsprodukte Sie liefern und ob ein Prüfbericht nach ISO/SAE 21434 verlangt ist. Verweist er nur allgemein auf „Cybersecurity nach Stand der Technik“, klären Sie vor Projektbeginn schriftlich, welche Nachweise der Hersteller für seine Risikobewertung nach Ziffer 7.3.3 erwartet.

Abgrenzung zu ISO 27001, TISAX und Cyber Resilience Act

ISO/SAE 21434 betrifft das Fahrzeugprodukt. Die anderen Regelwerke setzen an anderer Stelle an:

  • ISO/IEC 27001 beschreibt ein Managementsystem für die Informationssicherheit der Organisation, nicht für das Fahrzeug.
  • TISAX prüft die Informationssicherheit beim Austausch mit Partnern, etwa beim Prototypenschutz.
  • Der Cyber Resilience Act, Verordnung (EU) 2024/2847, gilt nach Art. 2 Abs. 2 Buchst. c nicht für Produkte mit digitalen Elementen, auf die die Verordnung (EU) 2019/2144 Anwendung findet. Für Produkte außerhalb der Typgenehmigung kann er gelten; der CRA-Leitfaden ordnet die Pflichten.

ISO 21434 in Rizzqo

In Rizzqo erfassen Sie eine Fahrzeugfunktion als Item und ihre Teile, etwa ein Gateway-Steuergerät, als Komponenten. Die Anforderungen aus ISO 21434 hängen an jeder Komponente und gehen an die richtige Person. Für die TARA erfassen Sie Schadens- und Bedrohungsszenarien, bewerten das Risiko in Euro und planen Maßnahmen als Aufgaben, die sich in beide Richtungen mit Jira synchronisieren.

Häufige Fragen

Kann man sich nach ISO/SAE 21434 zertifizieren lassen?

Prüfdienstleister bieten Bewertungen von Prozessen und Produkten nach ISO/SAE 21434 an; gesetzlich gefordert ist ein solches Zertifikat nicht. Für die Typgenehmigung zählt die CSMS-Konformitätsbescheinigung nach UN R155, die in Deutschland das Kraftfahrt-Bundesamt auf Grundlage der Auditberichte eines Technischen Dienstes ausstellt. Eine Bewertung nach der Norm kann im Audit als Nachweis dienen, ersetzt die Bescheinigung aber nicht.

Compliance auf Ihren echten Assets

Rizzqo macht aus Framework-Anforderungen verantwortete Aufgaben auf Ihren vorhandenen Assets – und beziffert das Risiko in echtem Geld.

  • Made in Germany
  • Gehostet in Ihrem Land
  • Multi-Framework
Muhammad Haseeb

Über den Autor

Muhammad Haseeb

Co-Founder & CTO

15 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Softwaresystemen, verantwortlich für alle technischen Aspekte von Rizzqo.

LinkedIn

Fachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO. 15 Jahre Erfahrung in Compliance, verantwortlich für Governance, Risk und Compliance (GRC) bei Rizzqo.