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Konfigurationsmanagement

Definition

Konfigurationsmanagement ist die Disziplin, die den Soll-Zustand von Hardware, Software, Diensten und Netzen als Baseline festlegt, durchsetzt und Abweichungen davon erkennt. ISO/IEC 27001:2022 führt es als Maßnahme 8.9; für die in § 30 Abs. 3 BSIG genannten Einrichtungsarten regelt es Anhang Nr. 6.3 der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2690.

ISMS
Von Muhammad Haseeb, Co-Founder & CTOFachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO
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Was ist Konfigurationsmanagement?

Konfigurationsmanagement beantwortet zwei Fragen: Wie soll ein System eingestellt sein, und ist es das noch? Der Begriff stammt aus zwei Fachwelten. Im IT-Service-Management nach ITIL geht es darum, die Konfigurationselemente (Configuration Items, CIs) eines Services und ihre Beziehungen zu kennen, geführt in einer CMDB. In der Informationssicherheit steht der sichere Soll-Zustand im Vordergrund.

Beide brauchen dasselbe Fundament. Eine sichere Konfiguration lässt sich nur für Systeme festlegen und prüfen, die bekannt sind, und eine Bestandsliste ohne Soll-Zustand sagt nichts darüber, ob ein System richtig eingestellt ist. Wie Konfigurationsmanagement in ein ISMS eingebettet wird, beschreibt der Leitfaden ISMS einführen.

Was verlangen ISO 27001, NIS2 und DORA?

ISO/IEC 27001 führt Konfigurationsmanagement als Maßnahme 8.9, die NIS2-Durchführungsverordnung schreibt es ihren Adressaten vor, und DORA verlangt, die Konfiguration der IKT-Assets zu erfassen:

VorgabeFundstelleWas verlangt wird
ISO/IEC 27001:2022Anhang A 8.9Konfigurationen, auch sicherheitsrelevante, über den Lebenszyklus festlegen, umsetzen und überwachen; Umsetzungshinweise, etwa zu Härtungsvorlagen und zum Schutz vor unbefugter Änderung, gibt ISO/IEC 27002
NIS2-DurchführungsverordnungAnhang Nr. 6.3 der Durchführungsverordnung (EU) 2024/2690für Einrichtungen der in § 30 Abs. 3 BSIG genannten Arten, etwa Cloud-Computing-Dienstleister: Konfigurationen einschließlich Sicherheitskonfigurationen festlegen, dokumentieren, umsetzen und überwachen. Sie werden bei neu installierten und laufenden Systemen durchgesetzt und in geplanten Abständen sowie nach erheblichen Vorfällen oder wesentlichen Änderungen überprüft
BSIG§ 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 BSIGSicherheitsmaßnahmen bei Erwerb, Entwicklung und Wartung von Systemen für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen. Nach § 28 Abs. 5 und 6 BSIG gilt § 30 grundsätzlich nicht für bestimmte Telekommunikations- und Energieunternehmen und nicht für Finanzunternehmen nach DORA
DORAArt. 8 Abs. 4 der Verordnung (EU) 2022/2554Finanzunternehmen erfassen die Konfiguration ihrer Informations- und IKT-Assets sowie die Verbindungen und Interdependenzen zwischen ihnen

Die Baseline als Soll-Zustand

Eine Baseline ist der dokumentierte, freigegebene Soll-Zustand für eine Klasse von Systemen, etwa alle Windows-Server, alle Firewalls oder alle Datenbanken eines Typs. Ausgangspunkt sind Herstellerempfehlungen und veröffentlichte Härtungsleitfäden, angepasst an die eigene Risikobeurteilung.

BestandteilBeispiel
Geltungsbereichalle Linux-Server der Produktionsumgebung
Sicherheitseinstellungendeaktivierte Standardkonten, Passwort- und Sperrrichtlinien, Protokollierung
deaktivierte Dienste und Protokollekeine unverschlüsselten Verwaltungszugänge
Freigabeverantwortliche Rolle, Datum, Version
begründete AbweichungenAusnahme je System mit Risikobewertung und Ablaufdatum
ÜberprüfungTurnus und Anlässe, zu denen die Baseline selbst überprüft wird

Setzen Sie die Baseline bei Neuinstallation und Wiederherstellung durch, möglichst über Vorlagen oder Automatisierungswerkzeuge. Jede Änderung an Systemen und an der Baseline selbst läuft über das Change-Management.

Konfigurationsdrift messen: ein Abgleich

Konfigurationsdrift ist die schleichende Abweichung der tatsächlichen Konfiguration von der Baseline. Sie entsteht durch Notfallkorrekturen, die nie zurückgenommen wurden, manuelle Eingriffe zur Fehlersuche, Updates, die Einstellungen zurücksetzen, und Systeme, die außerhalb des regulären Prozesses aufgebaut wurden. Ohne regelmäßigen Abgleich bleibt sie unsichtbar.

Beispiel (fiktiv): Die Zahlen sind frei gewählt. Ein Abgleich der Baseline „Linux-Server Produktion“ über 120 Systeme ergibt:

ErgebnisSystemeAnteil
entspricht der Baseline10285 %
weicht ab, mit genehmigter und gültiger Ausnahme97,5 %
weicht ab, ohne Ausnahme97,5 %

Konform sind damit 111 von 120 Systemen (92,5 %), 102 davon ohne Ausnahme. Für die neun Abweichungen ohne Ausnahme suchen Sie den Änderungsdatensatz. Gibt es keinen, ist das ein Befund im Change-Management, nicht nur im Konfigurationsmanagement. Dann entscheidet der Verantwortliche je System: zurücksetzen oder eine befristete Ausnahme mit Risikobewertung beantragen.

Bewahren Sie den Abgleich mit Datum, Baseline-Version und Entscheidungen auf. Mit diesem Nachweis lässt sich im Audit belegen, dass Soll-Konfigurationen festgelegt, umgesetzt und überwacht werden. Neue Systeme, die ohne Baseline in Betrieb gegangen sind, und abgelaufene Ausnahmen sind die nächsten Prüfpunkte.

Worin unterscheiden sich Konfigurationsmanagement, Change-Management und CMDB?

Konfigurationsmanagement legt den Soll-Zustand fest und prüft ihn, Change-Management entscheidet über einzelne Änderungen, und die CMDB hält fest, welche Komponenten es gibt.

KriteriumKonfigurationsmanagementChange-ManagementCMDB
ArtDisziplinProzessWerkzeug und Datenbestand
LeitfrageWie soll ein System eingestellt sein, und ist es das?Darf diese Änderung durchgeführt werden?Welche Komponenten gibt es, und wie hängen sie zusammen?
ErgebnisBaselines, Konfigurationsstände, Abweichungsberichtegenehmigte und dokumentierte ÄnderungenCIs mit Attributen und Beziehungen
Bezug in ISO/IEC 27002:2022Maßnahme 8.9eigene Maßnahme 8.32 zum Änderungsmanagementkeine eigene Maßnahme, mögliche Quelle für das Asset-Inventar

Sichere Konfiguration in Rizzqo

In Rizzqo hängen die Anforderungen zur sicheren Konfiguration aus Frameworks wie ISO 27002 an jedem relevanten System. Die verantwortliche Person lädt Nachweise hoch, etwa den letzten Abgleich gegen die Baseline. Fehlt eine Härtung, bewerten Sie das Risiko in Euro und planen die Härtung als Aufgabe, die sich in beide Richtungen mit Jira synchronisiert.

Häufige Fragen

Ist Konfigurationsmanagement nach ISO 27001 Pflicht?

Die Maßnahme 8.9 steht in Anhang A von ISO/IEC 27001:2022 und muss wie jede Anhang-A-Maßnahme in der Erklärung zur Anwendbarkeit berücksichtigt werden. Wer sie ausschließt, muss das begründen; bei eigenen Servern, Endgeräten, Netzen oder Cloud-Ressourcen ist ein tragfähiger Ausschluss kaum denkbar. Die Norm schreibt kein Werkzeug vor, wohl aber nachvollziehbare, dokumentierte Soll-Konfigurationen.

Braucht Konfigurationsmanagement eine CMDB?

Nicht zwingend, aber einen verlässlichen Bestand. In größeren Umgebungen kann die CMDB diese Quelle sein, in kleineren genügt ein gepflegtes Asset-Inventar. Jedes System muss einer Systemklasse und damit einer Baseline zugeordnet sein.

Mit welchen Werkzeugen erkennt man Konfigurationsdrift?

Mit Werkzeugen, die die Ist-Konfiguration automatisiert mit der Baseline vergleichen: Konfigurationsmanagement- und Automatisierungswerkzeuge, Schwachstellenscanner mit Konfigurationsprüfung oder die Richtlinienfunktionen von Cloud-Plattformen. Jede gefundene Abweichung braucht einen Verantwortlichen und eine Entscheidung, ob korrigiert oder als befristete Ausnahme akzeptiert wird.

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Muhammad Haseeb

Über den Autor

Muhammad Haseeb

Co-Founder & CTO

15 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Softwaresystemen, verantwortlich für alle technischen Aspekte von Rizzqo.

LinkedIn

Fachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO. 15 Jahre Erfahrung in Compliance, verantwortlich für Governance, Risk und Compliance (GRC) bei Rizzqo.