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Compliance Officer (Compliance-Beauftragter)

Definition

Ein Compliance Officer (Compliance-Beauftragter) ist die Person, die für die Geschäftsleitung organisiert und überwacht, dass ein Unternehmen Gesetze und interne Regeln einhält. Eine allgemeine Bestellpflicht gibt es in Deutschland nicht; Pflicht ist eine Compliance-Funktion für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute (§ 25a KWG), Wertpapierdienstleister (§ 80 WpHG) und Versicherer (§ 29 VAG).

GRC
Von Muhammad Haseeb, Co-Founder & CTOFachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO
Zuletzt geprüft:

Was ist ein Compliance Officer?

Ein Compliance Officer organisiert für die Geschäftsleitung, dass das Unternehmen Gesetze und interne Regeln einhält: Er ermittelt Compliance-Risiken, gibt Regeln vor, schult, überwacht und berichtet. Die Verantwortung bleibt dabei bei der Geschäftsleitung. Das Gefüge aus Regeln, Rollen und Kontrollen, das er aufbaut, heißt Compliance-Management-System.

Die Pflicht, das Unternehmen so zu organisieren, dass Rechtsverstöße verhindert werden, folgt aus der Sorgfaltspflicht von Vorstand und Geschäftsführung nach § 93 Abs. 1 AktG und § 43 Abs. 1 GmbHG. Bußgeldbewehrt ist sie über die Aufsichtspflicht nach § 130 Abs. 1 OWiG; zu den Aufsichtsmaßnahmen gehören dort ausdrücklich Bestellung, sorgfältige Auswahl und Überwachung von Aufsichtspersonen.

Welche Aufgaben hat ein Compliance Officer?

Ein Compliance Officer hat acht Kernaufgaben, von der Risikoanalyse bis zur Berichterstattung. Zuschnitt und Gewicht hängen von Branche, Größe und Risikolage ab:

AufgabenfeldInhalt
RisikoanalyseCompliance-Risiken ermitteln und bewerten, etwa Korruption, Kartellrecht, Geldwäsche, Sanktionen, Datenschutz, Informationssicherheit, Lieferkette
RegelwerkVerhaltenskodex und Richtlinien erarbeiten, abstimmen und aktuell halten
Beratung und SchulungFachbereiche und Leitung beraten, Beschäftigte zielgruppengerecht schulen
RechtsbeobachtungRechtsänderungen verfolgen und in Pflichten für das Unternehmen übersetzen
Hinweisgebersystemje nach Zuschnitt die interne Meldestelle nach dem Hinweisgeberschutzgesetz betreiben oder steuern
ÜberwachungKontrollen planen, Stichproben durchführen, Wirksamkeit der Maßnahmen prüfen
UntersuchungVerdachtsfällen nachgehen, Sachverhalte aufklären, Konsequenzen vorschlagen
Berichterstattungan Geschäftsleitung und Aufsichtsorgan berichten, turnusmäßig und anlassbezogen

Über Geschäftsvorfälle entscheidet der Compliance Officer nicht; er berät, kontrolliert, eskaliert und dokumentiert. Im Drei-Linien-Modell gehört die Compliance-Funktion zur zweiten Linie, und die Interne Revision prüft als dritte Linie auch ihre Arbeit.

Wann ist eine Compliance-Funktion gesetzlich vorgeschrieben?

Eine allgemeine Pflicht, einen Compliance Officer zu bestellen, gibt es in Deutschland nicht. Ausdrücklich vorgeschrieben ist eine Compliance-Funktion in regulierten Branchen:

BereichGrundlageWas verlangt wird
Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute§ 25a Abs. 1 KWG (Nr. 3 Buchst. c), konkretisiert in AT 4.4.2 MaRiskeine unabhängige Compliance-Funktion als Teil des internen Kontrollsystems
Wertpapierdienstleistungsunternehmen§ 80 Abs. 1 WpHG mit Art. 22 der Delegierten Verordnung (EU) 2017/565eine permanente, wirksame und unabhängige Compliance-Funktion; den Compliance-Beauftragten ernennt das Leitungsorgan
Versicherungsunternehmen§ 29 Abs. 1 VAGein internes Kontrollsystem mit einer Funktion zur Überwachung der Einhaltung der Anforderungen
bestimmte Verpflichtete nach dem Geldwäschegesetz§ 7 Abs. 1 GwGein Geldwäschebeauftragter auf Führungsebene und ein Stellvertreter; eine Spezialfunktion, kein allgemeiner Compliance Officer
alle übrigen Unternehmen§ 130 OWiG, § 93 Abs. 1 AktG, § 43 Abs. 1 GmbHG; für börsennotierte Aktiengesellschaften zusätzlich § 91 Abs. 3 AktGkeine Bestellpflicht; die Organisationspflicht der Geschäftsleitung bleibt

Außerhalb der regulierten Branchen ist die Bestellung eine Organisationsentscheidung, die im Schadensfall nachgeprüft wird. Ob ein wirksames Compliance-Management bestand, zählt nach dem Bundesgerichtshof bei der Bemessung einer Verbandsgeldbuße nach § 30 OWiG (Urteil vom 09.05.2017, 1 StR 265/16).

Haftet ein Compliance Officer persönlich?

Ein Compliance Officer kann sich strafbar machen, wenn er Straftaten aus dem Unternehmen heraus nicht verhindert. Der Bundesgerichtshof hielt im Urteil vom 17.07.2009 (5 StR 394/08) fest, dass Beauftragte, denen die Corporate Compliance anvertraut ist, „regelmäßig“ eine Garantenpflicht im Sinne des § 13 Abs. 1 StGB trifft. Wer sie hat und nicht einschreitet, kann sich durch Unterlassen strafbar machen, im entschiedenen Fall wegen Beihilfe zum Betrug.

Zwei Punkte schränken das Urteil ein. Der Angeklagte war kein Compliance Officer, sondern leitete die Rechtsabteilung und die Innenrevision einer Anstalt des öffentlichen Rechts; die Aussage zu Compliance-Beauftragten betraf also nicht seine eigene Rolle. Und maßgeblich ist der Pflichtenkreis, den die Person tatsächlich übernommen hat, nicht allein der Vertrag oder der Titel.

Beispiel: den Pflichtenkreis schriftlich festlegen

Weil der tatsächlich übernommene Pflichtenkreis zählt, legen Sie ihn bei der Bestellung schriftlich fest und gleichen ihn jährlich mit der gelebten Praxis ab.

Beispiel (fiktiv): Bestellung bei einem Maschinenbauer ohne regulierte Tätigkeit. Die Festlegungen sind frei gewählt.

PunktFestlegung
PflichtenkreisKorruptionsprävention, Kartellrecht, Exportkontrolle und Sanktionen; Datenschutz und Informationssicherheit verantworten Datenschutzbeauftragter und ISB
BefugnisseEinsicht in alle Unterlagen des Pflichtenkreises, Auskunftsrecht gegenüber allen Beschäftigten
Ausdrücklich nicht übertragenEntscheidung über Geschäftsvorfälle und Freigabe von Verträgen
Berichtswegquartalsweise an die Geschäftsführung, jährlich an den Beirat
Eskalationdirekt an den Vorsitz des Beirats, wenn ein Mitglied der Geschäftsführung betroffen ist
VertretungLeitung Recht
Überprüfungjährlich und bei jeder Änderung des Pflichtenkreises

Prüfen Sie beim jährlichen Abgleich, ob die Person Aufgaben übernommen hat, die nicht in der Festlegung stehen, etwa die Freigabe von Beraterverträgen. Dann ändern Sie entweder die Festlegung oder geben die Aufgabe zurück, denn nach dem Bundesgerichtshof kann sich die Garantenpflicht auf jeden tatsächlich übernommenen Pflichtenkreis erstrecken.

Was unterscheidet Compliance Officer, ISB und Datenschutzbeauftragten?

Compliance Officer, Informationssicherheitsbeauftragter und Datenschutzbeauftragter unterscheiden sich in Gegenstand und Rechtsgrundlage:

KriteriumCompliance OfficerInformationssicherheitsbeauftragter (ISB)Datenschutzbeauftragter (DSB)
GegenstandEinhaltung von Gesetzen und internen Regeln insgesamtVertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von InformationenSchutz personenbezogener Daten nach Datenschutzrecht
Bestellpflichtin regulierten Branchen (KWG, WpHG, VAG; GwG für den Geldwäschebeauftragten)keine allgemeine gesetzliche PflichtArt. 37 DSGVO und § 38 BDSG, etwa wenn „in der Regel mindestens 20 Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten“ beschäftigt sind
Rolleberät, überwacht, untersucht, berichtetbaut das ISMS auf und betreibt es, koordiniert Risikoanalysen und Maßnahmenüberwacht und berät, Anlaufstelle für Aufsichtsbehörde und Betroffene
Besonderer Kündigungsschutzkein allgemeiner gesetzlicherkein allgemeiner gesetzlicherbei verpflichtender Benennung nach § 38 Abs. 2 in Verbindung mit § 6 Abs. 4 BDSG

Eine Personalunion hat Grenzen. Der Datenschutzbeauftragte darf andere Aufgaben nach Art. 38 Abs. 6 DSGVO nur übernehmen, wenn sie nicht zu einem Interessenkonflikt führen, etwa wenn er Verarbeitungen überwachen müsste, über die er selbst entscheidet. Ist der ISB zugleich Compliance Officer, prüft er die Einhaltung in seinem eigenen Bereich; sehen Sie dann eine unabhängige Prüfung durch die Interne Revision oder ein externes Audit vor. Wie die Rolle des ISB zugeschnitten wird, beschreibt der Ratgeber ISMS einführen.

Compliance Officer, Compliance Manager und Chief Compliance Officer

Die drei Bezeichnungen sind gesetzlich nicht geschützt. Ein Chief Compliance Officer leitet die Compliance-Funktion eines größeren Unternehmens oder Konzerns und berichtet direkt an den Vorstand. Der Compliance Officer oder Compliance-Beauftragte verantwortet die Funktion in einem Unternehmen oder Bereich, der Compliance Manager setzt Programme und Kontrollen operativ um. In kleineren Unternehmen kann eine Person alle drei Rollen ausfüllen, auch in Teilzeit oder als externer Dienstleister.

Häufige Fragen

Wem berichtet ein Compliance Officer?

Der Geschäftsleitung und, wo vorhanden, dem Aufsichtsorgan, turnusmäßig und anlassbezogen. Für Wertpapierdienstleistungsunternehmen ist das ausdrücklich geregelt. Nach Art. 22 der Delegierten Verordnung (EU) 2017/565 berichtet die Compliance-Funktion mindestens einmal jährlich an das Leitungsorgan. Stellt sie ein erhebliches Risiko eines Pflichtverstoßes fest, informiert sie es ad hoc und direkt.

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Muhammad Haseeb

Über den Autor

Muhammad Haseeb

Co-Founder & CTO

15 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Softwaresystemen, verantwortlich für alle technischen Aspekte von Rizzqo.

LinkedIn

Fachlich geprüft von Masar Hetemi, Co-Founder & CEO. 15 Jahre Erfahrung in Compliance, verantwortlich für Governance, Risk und Compliance (GRC) bei Rizzqo.